Weihnachtsferien und Asienreiserei

Zu Weihnachten verschlug es mich für zwei Wochen in die europäische Heimat: während ich Weihnachten im Kreis meiner geliebten Familie verbrachte, reisten ich mit meinen Jongens zu Silvester an die niederländische Nordseeküste! Dies ist inzwischen fast schon eine Art Tradition, ich hoffe sie wird auch im Jahre 2014 aufrechterhalten! Hier ein paar Eindrücke meiner ganz persönlichen Highlights (geschossen mit meiner nigel-nagelneuen Nikon D3100):

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Omas Kartoffelsalat ist und bleibt einfach der beste: da kommt noch nicht mal das leckere Bier ran, das Opa immer aus dem Keller holt! :o)

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Am 5. Januar ging es dann für mich wieder weiter in Richtung Asien! Da inzwischen ganz Maastricht im Ausland ist, hat ich die große Ehre auf meinem Weg in die japanische Heimat einige meiner Freunde in Singapur besuchen zu dürfen! Da ich mir keinen Direktflug von Deutschland nach Singapur leisten konnte, blieb mir fast nichts anderes übrig als zwischendurch noch für eine Nacht in Shanghai anzuhalten – was für eine Tortur! 😉

Meine Reise nach Shanghai werde ich wohl nie vergessen: alleine schon weil ich zum allerersten Mal die Möglichkeit hatte/gezwungen war mich komplett alleine an eine fremde, so große Stadt heranzuwagen! Dabei lernte ich so viele, wunderbare Leute kennen und Sachen schätzen, weswegen ich entschloss meine Reiserei im März ebenfalls ohne Begleitung anzugehen!

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Zunächst einmal möchte ich mich an dieser Stelle bei meinem Freund Andi bedanken: ich kenne Andi seit nunmehr 10 Jahren und habe seither nur wenige, so treue Seelen wie ihn kennen gelernt! Andi studiert und wohnt seit einiger Zeit in Mainz und entschloss kurzerhand mich in Frankfurt zum Flughafen zu bringen, nachdem ich ihm erzählte, dass ich von Düsseldorf aus mit dem Zug fahren würde! Fettestes DANKÉ dafür!

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Einer meiner deutschen Mitreisenden auf dem Weg nach Shanghai: Andreas studierte Japanologie und unterrichtet inzwischen Englisch und Deutsch in Ōsaka! Entschied kurzerhand mich während seines mehrstündigen Aufenthaltes in Shanghai auf dem Weg in die Innenstadt zu begleiten und zeigte mir den Maglev-Zug (siehe Video)!

Der sogenannte Maglev-Zug (magnetic levitation) ist einer der schnellsten Züge, in denen ich jemals gesessen habe: Magneten drücken den Zug weg von den Gleisen und minimieren damit die Reibung. Wenn’s gut läuft schafft er bis zu 450 km/h, an jenem Tag waren’s immerhin 301 km/h!

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Lang lebe die Generation “Facebook-Freunde”: eine Freundin die letzten Sommer eine Sommerschule in Shanghai belegte, erfuhr von meinen Plänen eine Nacht in Shanghai zu verbringen und stellte mir kurz darauf ihren Freund John vor! John begleitete mich einen ganzen Tag lang während meines Abenteuers und stellte mich unter anderem der chinesischen Küche vor (nicht ganz so mein Fall, bin aber auch vom japanischen Essen verwöhnt)!

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Singapur – das eigentlich Ziel meines Transitaufenthaltes bezauberte mich vor allem mit seinem sommerlichen Wetter, dem guten, preiswerten Essen und den dort angetroffenen Menschen. Nach -10°C in Shanghai staunte ich nicht schlecht, als ich in Singapur aus dem Flugzeug stieg: 27°C und praller Sonnenschein. Glücklicherweise hatte ich meine Sonnenbrille im Rucksack und so brauchte ich nur meinen Maastricht-deutschen Freund Hendryk an seiner Uni abholen, bevor es mit dem Extreme-Sightseeing losgehen konnte!

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Von Anfang an in Maastricht hautnah dabei gewesen, und nach einem halben Jahr am anderen Ende der Welt wiedergesehen: Hendryk, meine Stütze in Maastricht, der momentan gemeinsam mit einigen anderen Maastrichtern sein Auslandssemester in der Stadt des Löwen verbringt! Es war mir – wie immer – eine große Ehre! Auf dich und ein Wiedersehen im Land der aufgehenden Sonne! Viel Erfolg in Singapur!

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Inzwischen bin ich wieder sicher und gesund im eiskalten, aber sonnigen Tokyo eingetroffen und bin schon wieder komplett im Uni-Stress! Dank des Jetlags habe ich umsetzen können, was ich mir schon so lange vorgenommen hatte: seit meiner Rückkehr nach Tokyo, bin ich jeden Morgen um 0630h aufgewacht! Ich fühle mich fit wie nie, warte auf meine Sportschuhe die mir noch aus der Heimat nachgeschickt werden und bin bereit das zweite halbe Jahr in Japan, als auch das Jahr 2014 mit Elan anzugehen! LET’S GO!

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Ein neues Jahr – ein neuer Anfang: catching up

Liebe Leute,

nach guten 2 Monaten des Nicht-Bloggens ist es nun Zeit mal wieder ein wenig zu berichten! Deswegen hier nun eine zusammengefasste Version meiner Erlebnisse in den letzten Monaten des Jahres 2013!

Mein Studium an der International Christian University verfolge ich seit nunmehr 4 Monaten mit großem Interesse: im Gegensatz zu meinem Studium in Maastricht, ist es mir an der ICU vergönnt meine Kurse frei zu wählen. Von der Meeresbiologie bis hin zur Religionstheorie kann ich hier alles belegen, was mir interessant vorkommt. Die Kurse des ersten Trimesters (Culture and Economy, Japanese Society und Japanisch) habe ich alle bestanden. In diesem Trimester habe ich mich neben einem Japanisch-Kurs auch für drei Masterkurse eingeschrieben (Global Attitudes, Modern Theory of Business und International Finance Policy). Zum ersten Mal seit fast einem halben Jahr setze ich mich nun wieder mit volkswirtschaftlichen Theorien und meiner geliebten Statistik auseinander – top!

 

 

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Das Leben auf dem Campus ist in Japan wahrscheinlich nicht sehr viel anders als anderswo: zusammen mit drei anderen ICU-Studenten (davon zwei Japaner, ein Amerikaner) teile ich mir eine Einheit im ICU-Global House, in welchem neben uns noch knapp 60 andere Studenten hausen. Hier ist immer was los: bei deutschen Brot-Runden mit den insgesamt vier Leuten aus Deutschland, oder Sonnenuntergängen auf dem Dach des vier-stöckigen Gebäudes ist man nie alleine! Obwohl es mir als nicht Japanisch sprechender Ausländer gleich doppelt schwer fällt japanische Freunde zu finden, habe ich Inzwischen einige Leute gefunden, mit denen ich mich sehr gut verstehe! Mit einigen habe ich Ende November eine zweiwöchige Reise in den Westen Japans unternommen – davon später mehr! 

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Meine Freizeit verbringe ich hauptsächlich mit dem Entdecken Tokyos: dabei spielt Essen eine ganz große Rolle! Während meiner Zeit zu Weihnachten in Deutschland wurde mir bewusst, wie sehr ich mich bereits an japanisches Essen gewohnt habe und wie gut dieses ist! Neben den bereits vorher angesprochenen Nudelsuppen und selbstgerechten Reispfannen gibt es natürlich auch ein paar ausgefallenere Sachen, wie zum Beispiel in Soja Soße gekochte und gezuckerte Grashüpfer: diese sind zuckersüß und knusprig wie Chips, zerfallen im Mund allerdings wie Blätterteig! Falls diese nicht schmecken, bietet McDonald’s immer noch einen Liefer-Service! 😉

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Um das beste Essen der Stadt zu finden, muss man ein wenig rumkommen: und genau das habe ich auch in den letzten Monaten gemacht! So war ich zum Beispiel an einem wunderschönen Herbsttag im Westen Tokyos am Mount Takao, dem am meisten bestiegenen Berg Japans. Ein wenig später zog es mich dann nach Yokohama, wohin ich von Takayukis Familie zu den Feierlichkeiten des Tages der Deutschen Einheit an der dortigen, deutschen Schule eingeladen wurde! Natürlich war das Essen dort nicht komplett japanisch und so genoss ich dort eine so sehr vermisste, deutsche Bratwurst mit Sauerkraut und deutschem Bier! 

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Zu allerletzt noch eine kleine Neuigkeit, die mich persönlich besonders freut: der Fußball hat mich wieder. Seit September bin ich beim Verein unserer Uni und im Team meines Dormitorys aktiv. Auch wenn ich wahrscheinlich keine Zeit haben werde, beides fortzuführen, bereitet es mir doch sehr viel Spaß wieder auf dem Platz zu stehen! 

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Morgen geht’s los – kurzer Rückblick

Wie bereits berichtet, beginnt für mich morgen der Alltag des Studieren. Die Wochen seit Ende meines Sprachkurses an der ICU habe ich bei einer Gastfamilie in Fuchu, in der Nähe von Shibuya verbracht und während dieser Zeit einiges erlebt!
 

Die Gastfamilie

Meine Gastfamilie bestand aus Mutter Hisako, Vater Kenji und dem vierjährigen Sohnemann Hiroki. Auch wenn ich mich nach meiner Ankunft erst einmal an die Ausmaße meines Zimmers gewöhnen musste (in welches außer meinem zusammenlegbaren Futon nicht viel hineinpasste), lebte ich mich schnell ein. Bereits am ersten Tag besichtigten wir alle zusammen eine der größeren Suntory-Brauerein: sämtliche der vier großen, japanischen Brauereien wurden von Braumeistern gegründet, die ihr Handwerk in Deutschland erlernt hatten. So spielt Deutschland auch heute noch eine große Rolle im japanischen Biergeschäft (was man zum Beispiel auch an der Form der Biergläser, oder aber an der Herkunft eines Großteils der Zutaten bemerkt – siehe unten). Außerdem wurde ich von meinem Gastvater zu einem Spiel des FC Tokyos ins Stadion eingeladen.

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Die Sprachschule

Die EF-Sprachschule, an der ich während meiner zwei Wochen in Fuchu eingeschrieben war, begeisterte vor allem durch den Ausblick, der sich einem vom 27.-Stockwerk des Bürogebäudes darbot, in dem sich das EF-Gebäude befand. Um pünktlich zum Vormittagsunterricht anzutreten, musste ich meistens schon um 0600h aufstehen. Danach kam ich dann in die Erfahrung der Tokyo Rushhour, während welcher sich die zig Millionen Bewohner Tokyos den Weg zu ihren Arbeitsstätten bahnen: dabei sind die Züge so voll, dass Tokyo als eine der wenigen Städte weltweit offizielle “Menschen-in-Züge-Drücker” beschäftigt. Leider war der Unterricht an der EF-Schule nicht allzu mitreißend, obwohl die Lehrer sehr motiviert und kompetent erschienen. Ich schließ mich mehreren Programmpunkten, darunter ein Besuch des Wohl berühmtesten Hundes der Welt – HACHIKO – und eine Fahrt zum Tokyo Towers, einer Nachbildung des Pariser Eifelturms, der sein Original um einige, wenige Meter überragt. IMG_3585 IMG_3637

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Ein Wochenende in Kyoto

Am 23. August machte ich mich mit zwei weiteren EF-Schülern auf zu einem solchen Programmpunkt: mit einem weiteren Deutschen, und einem Franzosen ging es für zwei Tage nach Kyoto, der historischen Hauptstadt und dem ehemaligen Kulturzentrum Japans. Seiner geschichtlichen Rolle entsprechend findet man in Kyoto eine Anzahl an wunderschöner, besonders großer oder aber geschichtlich eine große Rolle spielender Tempel, von denen im im Laufe der Jahrhunderte der Großteil mehrmals abbrannte und wieder aufgebaut werden musste. Leider spielte das Wetter nicht so mit, wie wir das wollten, davon ließen wir uns aber nicht unterkriegen und verbrachten ein superinteressantes Wochenende, besuchten buddhistische Tempel und Shinto-Schreine, aßen im ältesten Restaurant Japans und trafen ganz zufällig zwei sehr sympathische Schweizerinnen mit Nachwuchs (an dieser Stelle: liebe Grüße:)!

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Shinkansen – japanischer Schnellzug à la Perfektion

Nachdem wir die Anreise nach Kyoto im Nachtbus bestritten hatten, reservierte EF uns für die Rückfahrt nach Tokyo Tickets für das japanische Schnellzugnetzwerk Shinkansen. Anstatt der 8,5 Stunden, die wir auf der Hinfahrt gebraucht hatten, dauerte es keine 2 Stunden bis wir Sonntagabends wieder in Tokyo eintrafen. Zwar ist ein Shinkansen-Ticket um einiges teurer als sämtliche anderen Transportmöglichkeiten, jedoch lohnt sich eine solche Investition nicht nur aufgrund der Zeitersparnisse: anstatt wie im Nachtbus neben einem kräftig schnarchenden Japaner die Nacht verbringen zu müssen, hatte ich im Shinkansen sogar die Möglichkeit meine Beine komplett auszustrecken (bei einer Körperlänge von 1,94m). Dazu gab es kostenloses Wifi-Internet und sehr kompetentes Personal, das mir sogar genau erklärte, wie ich von der Endstation aus nach Hause kommen würde.

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Die Shinkansen-Züge sind übrigens nur so schnell, weil die japanische Regierung ihnen ein eigenes Schienennetz gebaut hat, welches komplett vom sonstigen Güter- und Personen-Verkehr losgekoppelt ist. So schafft es der Shinkansen nicht selten Geschwindigkeiten von 300-350 km/h.

Für Interessierte

Die Namen der beiden Städte Kyoto und Tokyo sind sich nicht ohne Grund sehr ähnlich. Die in beiden Namen vorkommende Silbe KYO (beziehungsweise das entsprechende, chinesische Schriftzeichen 京) bedeutet soviel wie Hauptstadt. Während Kyotos TO (都) soviel wie “Metropole” bedeutet, steht Tokyos TO (東) für “Osten” oder “östlich”.

Die Stadt Kyoto im Westen Japans war vom ehemaligen Kaiser Japans zur “nie untergehenden Hauptstadt” ausgerufen worden und diente ab dem Jahre 794 mehr als 1000 Jahre als Sitz der japanischen Kaiserfamilie. Tokyo, die momentane Hauptstadt Japans wurde erst 1868 zur Hauptstadt ernannt, nachdem Japan seine Jahrhunderte-lang andauernde wirtschaftliche, politische und kulturelle Isolation zum Rest der Welt aufgab und begann zunächst mit den US-Amerikaner, dann den Portugiesen und schließlich der ganzen Welt zu handeln. Bevor sie in Tokyo umbenannt wurde, hieß die Stadt übrigens Edo.

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Fuji erklommen

Die Idee von Mount Fuji

Von einem meiner Freunde der ICU-Sprachschule erfuhr ich, dass er in den verbleibenden 2 Wochen vor dem Start des eigentlichen Studiums Pläne hatte, mit einigen Studenten der University of California einen mehrtägigen Ausflug nach Kyoto zu machen, verbunden mit einem kurzen Abstecher ins benachbarte Osaka. Auch ich hätte mich gerne angeschlossen, allerdings hatte ich für diese Zeit eine weitere Sprachschule gebucht.

Tim und Tim

Tim und Tim

Tim (ja, der gute Amerikaner ist gleichzeitig mein Namensvetter) berichtete mir auch von dem Plan eines zusätzlichen Ausflug zum berühmten Mount Fuji. Zwar hatte er schon entsprechende An- und Abreisemöglichkeiten über das Internet herausgefunden, allerdings suchte Tim noch eine Hand voll sportlicher Abenteurer, die ihn auf seiner Tour zu dem 3776-Meter hohen Berg begleiten würden. Tim wollte den Berg nicht komplett besteigen: sein Plan war es abends von der fünften von zehn Stationen aus aufzubrechen, um morgens, pünktlich zum Sonnenaufgang den Gipfel zu erreichen.

Auch wenn ich in diesem Moment zum ersten Mal von der Idee hörte, den Fuji „bei Nacht“ zu besteigen, hatte ich mir das Erklimmen des höchsten Berges Japans schon vor meiner Abreise nach Japan vorgenommen. Und da es sicherlich ein einmaliges Erlebnis sein würde, die Sonne vom Gipfel des Fujis aufgehen zu sehen, benötigte Tim keine weiteren Argumente, um mich von seinen Plänen zu überzeugen. Die Entscheidung war gefallen: am 26. August würde es losgehen.

Die Vorbereitung

Nun bin ich am 2. Juli, aus einem sommerlichen Deutschland in ein noch sommerlicheres Japan gereist. Ich hatte bereits davon berichtet, dass der japanische Sommer so unfassbar schwül ist, ich habe immer noch mit der Hitze zu kämpfen, und das soll so bleiben bis Mitte September. Während meiner Vorbereitung in Deutschland hatte ich deswegen natürlich nur leichte Sommergarderobe in den Koffer gepackt. Die Wintersachen sind zurzeit auf dem Postweg, weil diese Variante günstiger war, als ein 2. Gepäckstück im Flieger. Wer benötigt bei 42°C auch schon Handschuhe, Schal oder Winterschuhe?

Leicht entsetzt war ich deswegen, als ich am Tag vor unserer Fuji-Reise im Internet die Wettervorhersage für die Nacht unseres Ausfluges anschaute: 3-7°C. Und Regen. Ich packte also ein, was sich an warmer Kleidung in meinem Koffer finden ließ: drei Kapuzenpullover, zwei Jogginghosen, 4 paar weißer Deutschland-Socken, Ersatzboxershorts und vier langärmlige T-Shirts.

Auf der Station, an der unser Abenteuer begann, würde ich mir dann noch Handschuhe und eine Mütze kaufen, die es dort laut Online-Berichten preiswert zu kaufen gab. Das würde reichen müssen!

Von meiner Gastmutter lieh ich mir einen Hiking-Rucksack, packte meine Kleidung hinein, gemeinsam mit meinem i-Phone (Kamera und Musik-Quelle zugleich), einer großen Flasche Wasser, Bananen, Energieriegeln und einer Packung Muffins. Da ich leider keine warme Regenjacke nach Tokyo mitgenommen hatte, musste wohl oder übel ein Regenponcho herhalten. Mein vierjähriger Gastbruder schenkte mir noch einen Glücksbringer, bevor ich mich auf den Weg nach Shinjuku machte, wo ich mir in einem Elektroladen (BicCamera) noch für unter 2.000¥ (ca. 15,00€) eine Kopflampe kaufte. Nun war es schon fast 13.00h und ich machte mich auf den Weg zur Bushaltestelle, wo ich auf die insgesamt sieben anderen Gruppenmitglieder traf, die ebenfalls alle am ICU-Japanisch-Sprachkurs teilgenommen hatten. Unter ihnen: 3 Mädels und 4 Jungs.

Die Anreise – die Stunden vor dem Aufstieg

Die zweistündige Anreise im nur halb gefüllten Bus war der angenehmste Teil unseres Ausfluges: auf einer der unbesetzten Rückbänke streckte ich meine Beine aus und machte ein kurzes Nickerchen, da ich nicht wusste, was ich ansonsten mit der Zeit anstellen sollte: mich mental auf den Aufstieg vorzubereiten, kam mir nicht in den Sinn, ich wusste ja auch gar nicht so richtig, was mich erwarten würde. Als ich aufwachte, hatten wir Mount Fuji schon erreicht und durch ein recht enges Netz aus Wolken und Nebelschwaden konnte ich wage die Spitze des Berges erblicken, die zu dieser Jahreszeit komplett eisfrei war. Kurz darauf erreichten wir auch schon die Station, die wir uns als Ausgangspunkt unseres Hikes ausgesucht hatten: die auf 2305 Höhenmetern stationierte Kawaguchiko Station. Von hier aus hatten wir für unsere Gruppe an absoluten Hiking-Beginnern den Yoshida Pfad gewählt, der uns auf 5,8 Kilometern zum 1,5 Höhenkilometer entfernten Gipfel bringen sollte. Dieser Pfad ist einer von vier Hauptpfaden, über die man Fuji besteigen kann und ist vor allem für nicht allzu erfahrene Interessierte geeignet. Der Pfad führt an ca. 15 Hütten vorbei, die zu entsprechend überteuerten Preisen warme Getränke und kleine Snacks anbieten. Die Aussicht, die man von diesem Pfad aus hat ist überwältigend, allerdings wird einem Nachtwanderer dies natürlich erst beim morgendlichen Abstieg bewusst.

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Nachdem sich unsere Gruppe am mitgebrachten Abendessen gestärkt hatte, lief ich noch schnell in eine der Hütten, um mir wie geplant ein Paar Handschuhe und eine Mütze zu kaufen. Ich erwarb noch einen Holzstab, der für den Aufstieg seinen Nutzen haben sollte. Ich hatte vorher gelesen, dass dieser Stab eine hilfreiche Gleichgewichtsquelle und eine Art traditioneller Wegbegleiter für japanische Bergsteiger darstellte – da wollte ich als eingeborener Japaner natürlich nicht auffallen!

Um genau 1900h ging es dann los: zusammen mit Tim, Chelsea, Yvonne, Melie, Eric, Chris und Shaw machte ich mich gut gelaunt im Dunklen und Trockenen, auf den Weg zu meinem ersten, richtigen Outdoor Japan Abenteuer.

Der Aufstieg

Die erste Stunde unseres Aufstieges verlief unproblematisch. Jede Viertelstunde legten wir eine Pause ein, um unsere durch die zunehmende Anstrengung steigende Körpertemperatur durch das Ablegen bestimmter Kleiderstücke auszugleichen. Die Wolken, die zuvor noch den Blick auf den Gipfel verdeckt hatten, zogen gen Süden und ermöglichten uns einen atemberaubenden Blick auf die im Umkreis des Fujis liegenden, bei Nacht beleuchteten Städte, Dörfer und Seen. Bei diesem Anblick musste ich die schönen Eindrücke mit ein paar Fotos festhalten. Alles war perfekt!

Nach einer knappen Stunde änderte sich dies jedoch schneller als erwartet: innerhalb weniger Minuten waren wir umgeben von pechschwarze Wolken (immerhin befanden wir uns schon auf knapp 2,500m Höhe)- ein Anblick der bei dunkler Nacht recht beeindruckend und angsteinflößend war. Kurz darauf setzte dann der angekündigte Regen ein und der zuvor trockene und trittfeste Asche-Grund wurde nass und rutschig. Der Regen wurde immer heftiger und bis zum Gipfel strömten uns an mehreren Stellen kleine Rinnsale entgegen. Beim Ausgraben meines Regenponchos aus den Tiefen meines Rucksackes riss ich mir auch noch ein Loch in die Kapuze, wodurch der Regen im Laufe der Nacht langsam aber sicher, von Kopf bis Fuß in meine bis dahin wärmende Kleidung zog.

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Nun waren wir uns im Voraus darüber im Klaren gewesen, dass es regnen könnte und, dass es – je höher wir kletterten – immer kälter werden würde. Worauf wir uns jedoch nicht eingestellt hatten, war ein Sturm, von dem wir in jener Nacht auch nicht verschont blieben: teilweise regnete und stürmte es so stark, dass wir vor lauter Regen nicht einmal bis zur nächsten, der hell-beleuchteten Station, aufblicken konnten. Selbst meine 5-Leuchten-Kopflampe – Gott habe sie selig, sie war ihr Geld wert – half da nicht weiter und teilweise mussten wir uns weiter herauf kämpfen, obwohl wir keine 3 Meter weit sehen konnten.

Alles in allem erschwerte uns das Wetter den Aufstieg so sehr, dass die Stimmung in der Gruppe kippte: einige meiner Mitstreiter hatten sich in Jeans und Straßenschuhen auf den Weg gemacht, anderen besaßen keine Kopflampen und stießen sich im Dunkeln an den scharfen Geröllkanten zügig die Beine blau und blutig. Die Gruppe zerfiel in Abenteurer mit unterschiedlichen Laufgeschwindigkeiten. Schnell wurde mir klar, dass das ständige Warten auf die Anderen im Regen und bei dem Wind mich nur zusätzlich müde machte. Folglich beschlossen wir, dass es das Beste sei unsere Gruppe in Paare aufzuteilen, und sich getrennt auf den Weg nach oben zu machen. Und so zogen Tim und Tim alleine weiter.

Bevor wir losgezogen waren, hatten wir mit 8 Stunden Wanderzeit (mit Rücksicht auf das Tempo des langsamsten Gruppenmitgliedes) und einer 2-stündige Pause in einer der Hütten gerechnet. Einmal vom Rest der Gruppe getrennt, stellten sich Team Tim zwei Probleme:

Erstens, hätten wir unser gemeinsames Tempo bis zum Gipfel durchgehalten, wären wir viel zu früh vor Sonnenaufgang am Gipfel angekommen und hätten dementsprechend mindestens 4 Stunden Pause machen müssen.

Und zweitens, machten wir zügig Bekanntschaft mit der Unfreundlichkeit der Besitzer der verschiedenen Hütten, die uns allesamt aus Geschäftstüchtigkeit den Zugang zu ihren geheizten Häuslichkeiten verweigerten, wenn wir nicht die verlangten 5.700¥ (ca. 45,–€) für einen zweistündigen Aufenthalt im Futon-Raum zahlen würden. Leider hatten wir die Geldreserven der einzelnen Wanderer bei der Paar-Bildung nicht berücksichtigt und so mussten Tim und Tim, pleite wie wir waren, zusammen mit mehreren Dutzend anderen Wanderern in der nassen Kälte vor den Hütten ausharren (die auch nicht einmal über vorstehenden Dächer oder andere Unterstellmöglichkeiten verfügten), sobald wir eine Pause einlegen wollten.

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Das Problem war also offensichtlich: bis zum Sonnenaufgang um 05.15h, würde wir keinen  Schutz vor der Kälte aufsuchen oder uns umziehen können. Zum Zeitpunkt dieser Erkenntnis hatten wir nicht einmal ein Drittel des Weges hinter uns gelegt. Und so kämpften wir uns weiter, und immer weiter auf dem Weg nach oben, klitschnass, frierend und mit einer Stimmung auf dem Gefrierpunkt.

Als Tim während einer Pausen vor einer der Hütten seine Handschuhe auszog, traute ich meinen Augen kaum: zwar waren auch meine Hände kalt und nass, aber Tims Finger und Handflächen waren inzwischen komplett lila gefärbt. Auch Tim, der sich vorher mehrmals über vor Kälte schmerzende Hände beschwert hatte, schockierte der Anblick sichtlich. Voller Sorge, schaute ich mir seine Hände genauer an und stellte zu unserer gemeinsamen Erleichterung fest, dass die Färbung nicht durch eine Unterkühlung entstanden war – der Regen hatte Tims Handschuhe so aufgeweicht, dass nur die Farbe aus dem Handschuhmaterial das Aussehen seiner Hände verursacht hatte.

Während des Aufstiegs trug ich ein Paar Joggingschuhe, die der vielen Nässe nicht standhielten und vom Regen vollgesogen waren, und meine Füße, die ich in 2 Paar Socken gepackt hatte, waren nass und eisig kalt. Bis zum Gipfel würde ich mit diesen nassen und dadurch schweren Schuhen nicht kommen, ich müsste diese Klötze am Fuß einfach irgendwann ausziehen und trocken: aber wie und wo? Die Hütten waren zu und auf dem Hang im Regen hatte es wenig Sinn.

Eine Lösung musste her, und Not macht erfinderisch: auch wenn sie nicht ganz angenehm rochen, war die Temperatur in den Toilettenkabinen höher, als jene auf dem Berg. Zwar waren sie nicht größer als, und ihrer Natur den Dixiklos sehr ähnlich, allerdings spielte das zu jenem Zeitpunkt keine Rolle mehr. Wärme musste her, und zwar schnell. Und so verbrachten wir unsere einzige, ganzstündige Pause auf dem WC der 8. Station. Nie zuvor habe ich den Aufenthalt in einer Räumlichkeit wie dieser mehr zu schätzen gewusst!

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Es muss gegen 24.00h gewesen sein, als wir Dank letzter Nahrungsvorräte leicht gestärkt wieder weiterzogen. Laut Wegweiser würden wir noch zwei Stunden bis zum Gipfel benötigen. Was danach kommen würde, wussten wir nicht. Der Regen wurde immer stärker und so brauchten wir statt zwei, insgesamt knapp 3,5 Stunden, bis zur zehnten, der Gipfelstation: müde und erschöpft waren wir, nass bis auf die Knochen und hungrig. An der Station waren rund 1,5 Stunden vor Sonnenaufgang schon mehrere Dutzend Wanderer eingetroffen, die vor der Station einen Halbkreis gebildet hatten, und sich wie Pinguine an einander wärmten. Alle waren durchgefroren, selbst jene, die eine vernünftige Hiking-Austattung besaßen. Im Gegensatz zu den anderen Stationen war die 10. Station nicht bewirtet, alles war dunkel, wir konnten uns nicht vorstellen, warum das so war. In dem Moment geschah das Unglaubliche: in der Hütte wurde das Licht eingeschaltet, eine Schiebetür geöffnet und sämtlichen, vor der Hütte wartenden Wanderern Eintritt gewährt. Wie von Taranteln gestochen kämpften wir uns den Weg zu einer kleinen Sitzbank am hinteren Ende der Hütte frei, wo wir uns erschöpft, aber überglücklich niederließen.

Kaum hatten wir uns auf die Bank fallen lassen, kam auch schon ein bärtiger Japaner mit der Speisekarte in der Hand auf uns zugestürmt: um uns in der Räumlichkeit aufhalten zu dürfen, mussten wir mindestens eine Speise der Karte wählen. Tee war eine Option, und auch die billigste. Und so bestellten Tim und ich jeweils eine Tasse schwarzen Tees, der 300¥(ca. 2,30€) kostete. Zum Glück traf ich in der Hütte auf ein deutsches Fliegertrio der Lufthansa, die uns 500¥ liehen und so genossen Tim und ich das beste Getränk aller Zeiten. Während Tim und ich vor Erschöpfung fast einschliefen, bekamen wir zufällig die Unterhaltung eines Kellners mit einem der Gäste mit, der ihn fragte, wie weit es noch zur Sonnenaufgangs-Aussichtsplattform sei. Der Kellner erklärte, dass dies zwar die letzte Station vor dem Gipfel sei, man aber mindestens noch 45 Minuten einplanen solle, um zur Aussichtsplattform zu gelangen. Basierend auf dieser Aussage planten wir daraufhin, eine Stunde vor Sonnenaufgang aufzubrechen, bei dem Regen könne man ja nie wissen.

Und so machte sich Team Tim um 04.15h auf die letzte Etappe nach oben. Voller Elan (der Tee hatte uns gut aufgewärmt) und Zuversicht (was waren schon 45 Minuten, nach den 8 Stunden, die wir schon hinter uns gebracht hatten!) stapften wir los. Jedoch bemerkten wir schnell, dass irgendetwas nicht stimmen konnte: viel weiter ging es nicht mehr nach oben. Nach genau 3 Minuten waren wir dort angekommen, wo ein großes Schild mit der Aufschrift “Morgenwanderer warten hier – Sonnenaufgang-Aussichtsplattform” stand. Wir waren also mal wieder den Geschäftsmännern in den Hütten zum Opfer gefallen, die sich nicht einmal zu schade waren, für den kommerziellen Umsatz den Leuten ins Gesicht zu lügen, nur um möglichst schnell wieder freie Plätze in ihrer Herberge anbieten zu können. Wir wären gerne in die Station zurückgegangen, aber leider fehlte uns das Geld, um wenigstens einen Tee bestellen zu können. Und so blieb uns nichts anderes übrig als dort oben stehen zu bleiben: eine ganze Stunde lang, im Regen, auf 3776 m Höhe, in den Wolken Japans, bei starkem Wind. Ich habe in meinem noch jungen Leben schon einige Erfahrungen mit Kälte gesammelt (Oh, Kanada!), aber so gefroren wie an jenem Morgen habe ich noch nie. Tim und ich zitterten um die Wette, und vor lauter Knochengeklapper konnten wir nicht einmal mehr unsere eigenen Worte verstehen. Daran änderte dann auch nichts, als gegen 04.30h – nach 8,5 Stunden endlich der Regen aussetzte, die Wolken durch den Wind weggeblasen wurden und uns einen Ausblick auf den Horizont gewährt wurde.

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Der Sonnenaufgang

Um 04.45h schien es dann endlich soweit zu sein und am Horizont erschienen die ersten Zeichen des heran schreitenden Tages: zuerst schob sich ein Schwall von Helligkeit in Form eines Halbkreises vom Horizont immer weiter nach oben – zunächst bläulich, dann gelblich, schließlich orangefarben und dann rot. Immer weitere Wolken, die sich im Krater des noch aktiven Vulkanes hinter unser ansammelten rauschten an uns vorbei, zogen dann jedoch gen Süden hinweg, wodurch die Aussicht vom Gipfel des Berges immer imposanter erschien: während sich gerade vor uns langsam aber sicher die Sonne einen Weg ans Firmament bahnte, baute sich links von uns eine riesige Gewitterfront auf und stellte den ultimativen Kontrast zum immer weiter aufklarenden Himmel dar. Nach einer halben Stunde des bangen Wartens war es dann so weit und unter Jubelschreien der mit uns gemeinsam wartenden Sonnenanbetern, durchbrach der erste, gleißend helle Sonnenstrahl die Wolken am Horizont und traf auf unsere ausgekühlten Körper. Was für ein Anblick! Tim, der inzwischen nicht mehr konnte und nur noch nach Hause wollte, hörte für einen Moment auf zu atmen und gemeinsam fielen wir uns in die Arme. Nach 9,25 Stunden bot sich vor uns nun endlich das Schauspiel dar, für das wir uns so gequält hatten. Wir hatten es geschafft, und es hatte sich weiß Gott gelohnt!

Der Abstieg und die Heimreise

Nach dieser ordentlichen Portion Adrenalin stellte der Abstieg keine größere Herausforderung mehr dar: zurück wanderten wir vom Gipfel des Berges bis zur fünften Station noch einmal gute zweieinhalb Stunden, allerdings konnten uns die nichts mehr anhaben. Um 08.15h erreichten wir ausgehungert und erschöpft den Startpunkt unseres Ausfluges, und wir genossen dort die Sonne und die Trockenheit. Aus unseren Wanderstöcken bauten wir einen Wäscheständer, auf dem wir unsere nassen Sachen aufhängten und trocknen ließen. Im Rucksack fand ich noch eine Banane, aß sie und kurz darauf schlief ich auf dem Pflaster vor einer der Hütten ein, und wachte auf, als mich die anderen Wanderer, die inzwischen ebenfalls ihren Weg ins Tal gefunden hatten, darauf aufmerksam machten, dass unser Bus gen Tokyo bald losfahren würde.

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Bei meinen Gasteltern wieder angekommen war ich doch sehr erschöpft. Abends fiel ich todmüde ins Bett. Ich war mir darüber im Klaren, dass ich an jenem Tag meinen Grenzen so nah gekommen bin, wie noch nie zuvor. Aber ich war sehr zufrieden, mir ein weiteres Mal bewiesen zu haben, dass ich etwas schaffe, wenn ich nur will.

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Zufälligerweise las ich in meinem Buch “Fettnäpfchenführer Japan” über ein altes, japanisches Sprichwort, dass meine Lektion aus diesem Tag ganz gut zusammenfasst: “Wer einmal auf den Berg Fuji steigt ist weise. Wer ihn zweimal besteigt ist ein Narr”. Ein zweites Mal wird es für mich nicht geben!

Allerdings liegt das nur daran, dass Fuji ab morgen bis zum nächsten Jahr für Wanderer nicht mehr zugänglich ist. Ansonsten würde ich es jeder Zeit wieder tun!

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Ende SCJ – Kapitel 1 beendet

Seit Donnerstag habe ich meinen ersten Japanisch-Sprachkurs hinter mir. Nach einer zweistündigen Klausur und einem kurzen Japanisch-Interview endete das erste Kapitel meines Aufenthaltes in Japan. Danach ging es mit meinen neuen Freunden zur offiziellen SCJ-Farewell Party und noch einmal ins Izakaya.

Um 0850h ging’s los, um 12:40 war es vorüber, das Abschlussexam meines 6-wöchigen Sprachkurses an der ICU: nicht ganz so locker, wie erhofft, aber sicherlich machbar. Damit dürfte ich bald stolzer Besitzer eines Japanisch-Sprachzertifikates sein (Sprachniveau 1 aus 8), auch wenn das an sich natürlich erst einmal wenig aussagt: zwar bin ich inzwischen in der Lage, mehr oder weniger vernünftig mit den unterschiedlichen japanischen Alphabeten umzugehen, mein Wortschatz ist jedoch noch so beschränkt, dass sich auch in der Klausur alles um solche lustig-banalen Themen wie  die Alltagsgestaltung oder die Einrichtung meines Zimmers dreht.

Nachdem ich mich also zwei Stunden lang mit mir selber abrang um notgedrungen die Farbe meines Schreibtischstuhles zu beschreiben und die japanische Cuisine in den Himmel zu preisen  (o-i-shi-i de-su ne), gab es direkt nach dem Exam eine angemessene Belohnung: zusammen mit allen Teilnehmern des Sprachkurses war ich zu einem Abschieds-Buffet in der Uni-Mensa eingeladen, wo ich mithilfe von Tempura (immer noch mein Favourite) und Sushi den Lern-Stress-Nahrungs-Mangel aus den Tagen vor der Klausur wettmachte. Währenddessen galt es jedoch auch die ersten Abschiedsfotos zu machen und einigen der nicht in Japan bleibenden Kursteilnehmern Lebewohl zu sagen. Einige dieser Leute werde ich tatsächlich vermissen!

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Zur Feier des Tages ging es Abends der guten Tradition wegen noch einmal in’s I-za-ka-ya, der japanischen Version der Altbierkneipe: dort gibt es für 2.500¥ (weniger als 20€) so viele (alkoholische) Getränke “wie geht”. Das ist zwar nicht ganz billig, zeigt allerdings wieder einmal, dass die meisten meiner neuen, asiatischen Landsleute tatsächlich nicht allzu trinkfest sind. Denn: wer in der letzten Zeit einmal in der Altstadt ein Bier trinken weiß, dass ein I-za-ka-ya-Besitzer eine 20-Euro-All-You-Can-Drink-Rechnung nur ohne trinkfeste Deutsche, bzw. Europäer und Amerikaner gemacht haben muss. Um dem Ruhm (wenn man dies so nennen möchte), der einem jeden Deutschen in Japan vorauseilt gerecht zu werden, ließ ich an jenem Abend meiner Laune also freien Lauf und genoss die Tatsache, dass ich mich im Moment in einem der aufregendsten Länder befinden darf, um hier mit einigen der coolsten Leute der Welt wieder einmal den Sommer meines Lebens zu erleben. Hier einige der interessanten Ergebnisse, die ich am nächsten Morgen auf meinem Handy vorfand ; )

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Am darauffolgenden Morgen hieß es dann früh aufstehen, denn auch wenn es mir im Studentenschlafhaus “Zelkova” sehr gut gefiel, war dieses nur bis zum Tag nach Ende des Sprachkurses gebucht, weswegen ich anschließend mit einigen der verbliebenen Sprachkursler für zwei Nächte ins benachbarte “Dialgoue House” umziehen musste. Diese Zeit nutzte ich vor allem dazu einmal so richtig auszuschlafen und mich mental auf meinen Umzug in meine Gastfamilie vorzubereiten: da ich zwischen Ende des SCJ-Sprachkurses und dem Beginn des Studienjahres zwei Wochen Freizeit habe, hatte ich bereits vor meiner Abreise einen zweiten, entsprechend langen Sprachkurs an der “EF Language School Tokyo” gebucht. Diese wird vom gleichen Unternehmen unterhalten, die mich auch 2008 während meiner Reise nach Kanada begleitet hatte, und in deren Düsseldorfer Zentrale ich seither einiges an Arbeitserfahrung sammeln durfte. Außerdem befindet sich die Sprachschule in einem der It-Viertel der Stadt: dem berühmt berüchtigten Shibuya, in dem man unter anderem die Statue des treuen Hundes Hachiko, als auch eine der Fußgänger-reichesten Kreuzungen der Welt findet. Mehr zu meinem Umzug zu Familie Ishikawa und meine Japanisch-Lernerei in Shibuya gibt’s bald! : )

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Japans Mutter Natur

Während der letzten Woche drehte Mutter Natur in Tokyo ordentlich am Rad. Neben den knapp 45°C, die wir hier an drei Tagen hintereinander ertragen mussten, hätten zwei weitere Ereignisse, die Welt fast zum Untergang gebracht!
 

Am 08. August war es nämlich so weit und ich erlebte mein allererstes, bewusst wahrgenommenes Erdbeben. Japan liegt an der geologischen Bruchzone von vier tektonischen Platten, die immer mal wieder die Erde zum Beben bringen. Dabei sind innerhalb der letzten 300 Jahre mehr als eine Millionen Menschen durch Erdbeben in Japan gestorben. Dass es auch diese Woche bei meinem Erdbeben zu Todesfällen kam, kann ich mir nicht vorstellen, das Erdbeben war (in Tokyo) alles andere als stark. Der einzige Grund, weswegen ich das Beben trotz dem so bewusst wahrnahm war, dass nach dem Ausbruch eines Bebens in Japan, innerhalb von Sekunden Millionen Kurznachrichten an sämtliche im Land gemeldeten Mobiltelefone versendet. Das Vibrieren der Handies sämtlicher mit mir im Raum sitzender Menschen brachte mich dementsprechend bei weitem mehr aus der Fassung als das eigentliche Beben.

Das war bei dem Naturschauspiel, das sich mir gestern darbot gehörig anders: trotz intensiver Beschallung durch meine Handy-Musik, fiel mir sofort das Unwetter auf, dass sich nachmittags innerhalb weniger Minuten über Tokyo zusammenzog. Glücklicherweise saß ich in der Mensa, als sich der Himmel verdunkelte und kurz darauf ein Gewitter gen Erde schleuderte, wie ich es selten gesehen habe. Weniger als eine halbe Stunde brauchten die Wassermassen und Dutzenden Blitze um die Energieversorgung auf dem Campus vier mal zum Aussetzen zu bringen. Ich war nicht der einzige, dem dieses Schauspiel ordentlich imponierte: auf Youtube fand ich dieses Video, in dem man leider nicht sieht, wie stark es regnete. Ich finde ich trotzdem beeindruckend:

Nach den Naturereignissen der letzten Woche, stehen diese Woche nun meine letzten Klausuren an. Der Sommerkurs auf dem Campus meiner Universität steht kurz vor dem Ende, insgesamt sechs Wochen werde ich am Ende hier verbracht haben. Am 18. August ziehe ich dann bei einer Gastfamilie in Shibuya ein, einem etwas zentraler Bezirk der Präfektur Tokyo ganz in der Nähe des Hotels, in dem ich meine ersten Nächte in Tokyo verbracht habe. Ich werde die Zeit an der EF-Sprachschule in Tokyo vor allem dazu nutzen, um die Stadt ein wenig besser kennen zu lernen: während meiner Zeit auf dem Uni-Campus habe ich meine Zeit hauptsächlich mit Lernen verbracht. Yuko Uchida, die Mutter von Takayuki hat sich schon auf eine Stippvisite angekündigt, darauf freue ich mich riesig. Außerdem plane ich, das vorletzte August Wochenende in Kyoto, der alten Hauptstadt Japans zu verbringen. Vor mir liegen dementsprechend aufregende Wochen, ich freue mich darauf! : )

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Der erste Monat ist vorüber

Am Wochenende ist mir aufgefallen, wie viel Zeit seit meinem letzten Post vergangen ist. Unfassbar, wie schnell die Zeit vergeht: die letzten Wochen waren voll mit exzessivem Lernen, und meiner Rückkehr zu sportlichen Tugenden. Hier nun also ein neues, etwas ausführlicheres Update.

Um das Schreiben der Updates für mich, und das Lesen eben jener für euch etwas weniger zeitaufwendig zu gestalten, werden die Posts ab sofort kürzer, dafür regelmäßiger. Es lohnt sich also umso mehr, diesen Blog zu abonnieren. Alles was ihr dafür machen müsst, ist auf das kleine, dunkelgraue Feld in der unteren, rechten Ecke eures Bildschirmes zu klicken, und eure Email-Adresse einzugeben. Ich freue mich über jeden Leser!

Meine Japanisch-Lernerei

Wie bereits erwähnt, habe ich einen Heidenspaß daran Japanisch zu lernen. Mit jedem neuen Wort das ich lerne, eröffnet sich mir ein immer größerer Teil einer so fremden Welt. Jedes Mal wenn ich Abends durch die Straßen Mitakas schlendere, entdecke ich an den Fassaden der Geschäfte und in den Speisekarten der Restaurants Wörter, die ich erst Tage zuvor gelernt habe. Beim Vokabellernen finde ich es sehr hilfreich, eine kleine Geschichte, oder ein Stichwort mit dem japanischen Wort zu verbinden: so merke ich mir das japanische Wort für Hut oder Mütze (bo-o-shi) zum Beispiel in dem ich es mit O-o-pis Bildern von Sherlock Holmes, dem Detektiv mit der MÜTZE verbinde. Andere Wort sind einfach herrlich logisch aufgebaut: “groß” (wie in: “ich bin groß”) setzt sich zum Beispiel aus den Worten für “Rücken” und “hoch” zusammen und lautet dementsprechend se-ga-ta-ka-i. Wieder andere wurden einfach aus anderen Sprachen übernommen und mithilfe von Katakana japanisiert: das Wort für Teilzeitjob lautet zum Beispiel a-ru-ba-i-to. Ein paar mal laut und schnell aussprechen und nicht verschlucken, wenn’s auf einmal klickt! 😉

Japanischunterricht

Vielleicht sollte ich einmal einen ganzen Post der japanischen Sprache widmen, da gibt es so viele interessante Dinge zu erzählen. Vielleicht später einmal.

Kabuki

Vor zwei Wochen schloss ich mich dem nächsten Programmpunkt des Freizeitangebotes an und sah mir zusammen mit einer Gruppe meiner Kommilitonen meine allererste Kabuki-Vorstellung an. Kabuki ist traditionelles, japanisches Theaterspiel, das bereits seit Beginn des 17. Jahrhunderts praktiziert wird und inzwischen von der UNESCO in die Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen wurde. Sämtliche Darsteller sind Männer, was angeblich daran liegt, dass früher viele Kabuki-Schauspielerinnen nach ihren Vorstellungen vergewaltigt und getötet wurden: Kabuki bedeutet wörtlich “Tanz der Anrufung Buddhas” und besteht auch heute noch teilweise aus einem gewöhnungsbedürftig, Balz-ähnlichen Tanz, der viele der verschlossenen Japaner ans Schwitzen bringt.

Kabuki von außen - vor dem Nationaltheater Kabuki von Innen

Mir persönlich gefiel die Vorstellung sehr gut, und das obwohl wegen englischer Kopfhörer-Übersetzung sicherlich einiges am ursprünglichen Charme des Schauspiels verloren ging. Die Kostüme der Schauspieler, und auch die traditionelle Bühnentechnik fand ich am interessantesten: so spielten viele der Schauspieler zum Beispiel mehrere Rollen gleichzeitig und mussten mehrmals innerhalb von Sekunden die Kilo-schweren Kostüme wechseln (siehe unten). Alles in allem also eine Spitzenerfahrung und sicherlich empfehlenswert.

Eines der traditionellen Kostüme

Essen

Vor einigen Tagen war ich zusammen mit meinem neuen, amerikanischen Freund Samuel aus Santa Barbara, CA in Kitchijoji, wo am selben Tag zufällig ein kleines Straßenfest stattfand. Eigentlich hatten wir nur vor, uns dort ein wenig umzuschauen (z.B. in einer der dort heimischen, Einkaufsgassen und Japan-Spieleparadiese: siehe Video und Foto unten) und in einem der europäischen Schoko-Läden, von denen wir vorher gehört hatten, unseren Heißhunger auf heimatliche Verpflegung zu stillen. Der Anblick der vielen, frisch zubereiteten Gerichte, die es vor Ort gab, versöhnte uns jedoch recht schnell wieder mit der japanischen Cuisine und brachte uns dazu uns mit kühlem Sake und massenweise Tempura, frisch gebratenem Gemüse mit Teigmantel einzudecken. Tempura hat sich inzwischen zu meinem meiner Leibspeisen gemausert, vor allem nachdem die Betreuerin unseres Studentenheimes Kaji-Mama (Gott habe sie selig) kurz darauf einen Tempura-Abend veranstaltete und alleine für 67 hungrige Sprachschüler und deren Betreuer frisches Tempura zubereitete. Unten findet ihr ein Foto des Buffets, auf dem man das Ausmaß dieses Festmahles erkennt (von jedem dieser Tabletts gab es drei Stück). Um auf den Geschmack zu kommen, empfehle ich zusätzlich eine kurze Google-Bild-Suche nach dem Begriff “Tempora”, der Anblick unten vermittelt leider nicht allzu gut, wie ansprechend Tempura wirklich ausschaut. Köstlich!

Auf dem Straßenfest Tempuraaaah!!!

Rahmenbedingungen und Alltägliches

Seit meinem letzten Post glich die Wettervorhersage für Tokyo und ganz Japan einer Achterbahnfahrt: meine ersten Tage in Tokyo waren geprägt von Hitzewallungen, mit denen das Wetter ganz Tokyo zusetze (142 Hitzetote innerhalb einer Woche). Kurz darauf wurde es dann staubtrocken, mit Temperaturen in die hohen Dreißiger und keinem einzigen Tropfen Regen innerhalb mehrerer Wochen. Dieser entlud sich dann allerdings innerhalb der letzten 10 Tage, während welcher es teilweise stundenlang schüttete und um fast 20 Grad abkühlte. Drinnenbleiben, Lesen und Sport in der Muckibude waren da die einzigen Alternativen auf dem Programm. Seit vorgestern ist es nun wieder sonnig und man hat das Gefühl ganz Tokyo blüht grün auf: die Fauna des ICU-Campus’ steht in Blüte. Gerade sitze ich auf der Terrasse des D-Gebüdes der Uni und habe einen wundervollen Ausblick auf einen der Parks auf dem Campus. Leider kamen zusammen mit der Sonne auch tausende Grillen zurück, die vor allem Nachts mit ihrem Zirpen das Rauschen der Klimaanlage trotz Doppelverglasung bei weitem übertönen: schlaflose Nächte olé.

Neben dem täglichen Klimawandel in Tokyo sind mir noch eine Reihe erwähnenswerter Sachen aufgefallen, denen ich keinen kompletten Post widmen möchte, weshalb ich einige von ihnen an dieser Stelle kurz erwähnen möchte. Meine verzweifelte Suche nach billigen Eiweißen findet kein Ende: auch im dritten, von der Größe her Kaufhaus-ähnlichen Supermarkt habe ich keine Alternative zu purem Joghurt gefunden, den ich mir seit zwei Wochen mindestens 3 Mal wöchentliche gönne, um der Überversorgung an Kohlenhydraten (Reis, Nudeln, …) entgegenzuwirken. So fand ich zum Beispiel das unten abgelichtete Stück Käse, das meine Aufmerksamkeit aufgrund seines maßlos überhöhten Preises auf sich zog: selbst ohne japanisch Kenntnisse lässt sich mit ein wenig Zoom leicht erkennen, dass für diese 70 Gramm Gouda mal lockerflockig 525 Yen verlangt werden, was umgerechnet über vier Euros entspricht. Bei diesem Anblick musste ich schmerzlich an Maastrichter Verhältnisse denken, wo Albert Heijn für ein ganzes Kilogramm des guten Holländers immer noch weniger als 4€ verlangt.

Je mehr wir uns dem Beginn des Uni-Jahres nähern, desto mehr ICU-Studenten finden ihren Weg zurück auf den Campus, darunter übrigens auch die Enkeltochter des aktuellen Kaisers). Einer von ihnen, ein gewisser Takahiro Kawaguchi fiel mir dabei besonders auf, als er an einem Freitagmorgen um 0830h drei Tageszeitungen in drei verschiedenen Sprachen (darunter auch Deutsch) las. Nun bin auch ich in der Lage, gewisse Informationen aus Medien verschiedener Sprachen zu filtern und wage zu behaupten, dass diese Tatsache für den Großteil meiner Generation keine Besonderheit darstellt. Was mich an dem Anblick des Mannes am Tisch neben mir so beeindruckte, war, dass der gute Mann sichtlich kein Mitglied meiner Generation war: in einer kurzen, größtenteils auf deutsch-geführten Unterhaltung fand ich heraus, dass Kawaguchi-San im Jahre 1909 geboren, und somit 104 Jahre alt war. Ein 104-Jähriger, der darüber hinaus täglich seine Sprachkenntnisse mit dem Lesen der “Zeit” auffrischt, war mir vorher noch nie begegnet. Chapeau!

Teuerster Käse der Welt Kawaguchi-San

Das war es erst einmal für heute, nun habe ich Hunger und muss Essen. Wie gesagt gibt’s ab sofort mehrere, dafür kürzere Posts sobald ich etwas interessantem über den Weg laufe. Nächste Woche habe ich meine Abschlussklausuren und werden Freitags gen die EF-Sprachschule in Tokyo weiterziehen. Da geht dann Kapitel zwei meiner Reise los!

Grüße aus Tokyo – Tim

Das Deutschland-Institut Spielhalle

 

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